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Iris Geiger-Musik stammt aus einer Familie von Akademikern, zu der der Politologe und Schriftsteller Josef Geiger und der Slawistikprofessor Robert Geiger gehören. Sie sorgte während vierzehn Jahren Tätigkeit in der Erwachsenenbildung dafür, dass sich Gunar Musik unbehelligt der Lektüre von ein paar tausend Büchern widmen konnte.
Gunar Musik hat bei Max Bense über Walter Benjamin promoviert: ‚Die erkenntnistheoretischen Grundlagen der Ästhetik Walter Benjamins und ihr Fortwirken in der Konzeption des Passagenwerks‘. Der Ansatz, die gesellschaftkritische Perspektive der frühen Frankfurter Schule durch die Semiotik Peircescher Provenienz abzusichern, mündete in einem ersten Anlauf im ‚Phänomen Otto‘.
Die Medienanalyse ‚Das Phänomen Otto – Wirkungsweisen eines schnellen Brüters‘ beruhte auf ihren Einfällen und den geduldigen Showanalysen, zu denen Musik dann das theoretische Fundament lieferte.
Mit der Selbsterlebensbeschreibung ‚Altpapier‘ wurden schließlich die gemeinsamen Wurzeln in Schülerprotest und Studentenbewegung freigelegt. Zu zeigen war, welche biographischen Ungleichzeitigkeiten die Liebe zu einem Duell werden ließen, aber auch, welche fein vernetzten Machtstrukturen das Prinzip Hoffnung aushebeln konnten, wie wenig tatsächlich auf dem Weg von den 70ern in die 80er vom ursprünglichen Emanzipationspotential übrig geblieben ist.
Parallel zur biographischen Arbeit am gemeinsamen Roman wurde die gesellschaftliche Entwicklung auch theoretisch nachgezeichnet: ‚Philosophischer Sperrmüll – Kulturarbeit und Mortifikation, Kreativität und Beziehungsarbeit‘. Als er Anfang der 90er Jahre aufgefordert wurde, eine Neukonzeption für das Becher Literaturinstitut in der Sächsischen Staatskanzlei vorzulegen, wurden wesentliche Einsichten aus dem ‚Sperrmüll‘ auf wenige Seiten eingedampft und dann vor dem Gründungsrat vorgetragen: Die Konzeption sollte mit Steuergeldern nicht zu vertreten sein! Und das, obwohl eine der vorgestellten Thesen darauf gesetzt hatte, das Institut mit einem wirtschaftlichen Standbein zu versehen und von Subventionen unabhängig zu machen.
Eine Karriere für literarische Hungerkünstler hätte die beiden nicht einmal abgeschreckt. Aber als die magische Verfolgerkausalität einer Intrige nicht mehr zu übersehen war und die Möglichkeiten schwanden, einen halbwegs akzeptablen Rahmen für die gemeinsamen Texte zu finden, eroberte das Paar mit den Medien Telefon und Computer ein Arbeitsfeld jenseits der akademischen Abhängigkeiten. Sie verkauften Anzeigen, Firmenportraits und Promotions und begannen den Werbemarkt für ihre Zwecke zu verwenden. Außerdem widmeten sie sich exklusiven Inneneinrichtungen. Nachdem die nötigen Umsätze in Bewegung gesetzt und damit manche Behinderungssysteme der verwalteten Welt abgeschafft worden waren, entstanden die ersten Entwürfe der ‚Galerie der Geistesblitze‘. Aus dem in manchen Jahren produzierten Textungeheuer ist erst einmal ‚Die Schule der Liebe‘ ausgegliedert worden. Die Einführung, ‚Der Schamane im Bücherregal‘, ist wieder ein gemeinsames Buch geworden, obwohl es noch den verzweifelten Räuschen des Einsamkeitstrainings gewidmet ist. Ein weiterer Teil, ‚Die Chronik eines sozialen Todes‘, dokumentiert den zurückgelegten Weg und die Erfahrung einer Liebe als Duell. Als Supplemente entstanden ein fiktiver Vorlesungsband 'Souveränitätstraining', eine Medienanalyse 'Helden des Subliminalen' und in der Folge der 'Katastrophenpädagogik'ein theoretischer Band 'Eigenarbeit, Eigenzeit und Lustpolitik'.
Der Anspruch, die eigene Existenz durch Andere zu bestätigen, beruht auf dem Konformismus eines auf Sprache angewiesenen Wesens. Der Mangel an Abgrenzung untersteht allerdings einer eigentümlichen Drohung. Weil unsere soziale Existenz mit der Namensgebung bestätigt wurde, sorgt die damit gegebenen Widerrufbarkeit für Ausgeliefertheit und Willfährigkeit. Eine latente Angst imprägniert den Bezug auf Andere, weil sie die eigene Existenz nicht nur als aufhebbar erweist, sondern uns in permanente Konflikte verstrickt. Die Wirkung archaischer Ausschlussverfahren, der durch einen Voodoozauber bewirkte Vagustod, zeigen im Extrem, warum das Leben ab einem gewissen Grad der Unsichtbarkeit schwindet. Diese Anfechtbarkeit muss nicht bewusst werden, aber sie wirkt und macht sich in einer ständigen Bereitschaft bemerkbar, irgendwelche Zugeständnisse zu machen oder Liebgewonnenes zu opfern. Die Verwobenheit unserer Selbstdefinition mit der Anerkennung durch andere ist für die konfliktuelle Mimetik verantwortlich, die gerade in den persönlichen Belangen für böse Verwundungen sorgt. Also sollten wir früh genug lernen, in verschiedenen sozialen Kontexten, also in mehreren Welten, zugange zu sein.
Mögliche Veränderungen setzen gerade an den kleinen Begebenheiten an. Je größer das Repertoire, je leichter fallen notwendige Änderungen alltäglicher Wahrneh-mungsmuster und Verhaltensgewohnheiten. Distanz heißt das Zauberwort; paradoxerweise ermöglicht erst der richtige Abstand, an den Intensitäten eines Augenblicks teilzuhaben, sich der unvermittelten Nähe einer/s Anderen auszusetzen. Hier beginnen Eigenzeit und Eigenarbeit wertvoll zu werden. Wer völlig in einer Tätigkeit aufgeht, selbstvergessen mit den Routinen verschmilzt, die der Materialität eines Gegenstands oder den Gesetzmäßigkeiten einer Situation entsprechen, überlässt sich vorindividuellen, mimetischen Impulsen. Schon diese Routinen taugen zur infinitesimalen Annäherung an die Unmittelbarkeit der Präsenz, während die geduldige Übung am Sex pur näher an die Punktualität des Jetzt herankommt. Ein emphatisches Tun und Erleben überformt den Verweisungszusammenhang zwischen gleich und geradeeben, bis das Subjekt in einer Woge des Mitgerissenwerdens verschwindet. Was einmal als Seele bezeichnet wurde, ist als Fließgleichgewicht jener körpereigenen Drogen zu verstehen, das im besten Fall wie eine gelungene musikalische Improvisation auf die im Laufe eines Lebens dichter und tönender werdenden Harmonien antwortet. Im schlechten Fall reproduzieren wir als Kakophonie eine dröhnende Homöostase des Elends. Eine katastrophale Erfahrung der Nichtung des Ichs bewirkt dagegen den Absturz in eine unendliche Stille, die immerhin gelegentlich die Chance einer Erleuchtung transportiert.
Der konstatierte Riss zwischen der Aktualität der Präsenz und ihrer Repräsentation in Wahrnehmung und Bewusstsein muss kein hoffnungsvolles Verpassen, kein wahnhaftes Hinterherrennen prägen, wenn traditionelle Besessenheiten dank medialer Spielräume jenseits der Gutenberggalaxis zu verabschieden sind. Die Abwesenheitsdressur der Schrift wird durch multimediale Intensitäten des Jetzt und Hier ausgehebelt, digitale Systeme speichern mittlerweile die Inkommensurabilität des Individuellen und beugen auf einer fundamentalen Ebene dem Vergessen vor. Haptische und rhythmische Erfahrungsmuster führen in Routinen der Präsenz zurück; unterschwellige Wahrnehmungen, freie Assoziationen, unwillkürliche Erinnerungen befördern Fähigkeiten wie Achtsamkeit, Körperbewusstsein, Geistesgegenwart, die die Abstraktionsleistungen der Schrift und die Generalisierungen der Wissenschaften ausgedünnt haben. Der Arbeit mit digitalen Speichersystemen verdanken wir die Einsicht in Gesetzmäßigkeiten des bisherigen Lebens. Sie stellte Regeln zur Verfügung, mit denen eine Neuformatierung biographischer Wiederholungszwänge möglich wurde. Nach der dem Durchlaufen unzähliger Ergänzungen und Überarbeitungen des gespeicherten Materials verdankten Distanz wird ein Kontext des biographischen Kontextes greifbar, es entsteht ein aktueller Rahmen für eine nonkonfliktuelle Ausrichtung von Gesten und Sprachformen. Der Stellenwert kreativer Eigenarbeit bekommt ein ganz anderes Gewicht, wenn wir regelmäßig für kleine Ewigkeiten die andere Seite des kulturellen Lattenzauns aufsuchen. Die erfahrenen Intensitäten bewirken eine Umkehrung des verdrängten aber unterschwellig wirksamen Opferkults. Eine Grenze der Trauerarbeit verläuft mitten durch alltägliche Belange; ästhetische Erfahrung gestaltet die Grenze in Metaphern der Überschreitung, doch für die erotische Praxis eines Paars wird die gemeinsame Gestaltung des Hier und Jetzt als Resultat von Passagen und Wiedergeburten möglich.
The claim to have one's own existence confirmed by others is based on the conformism of a being dependent on language. The lack of boundaries, however, is subject to a peculiar threat. Because our social existence was confirmed by the naming of a person, the revocability that this provides ensures a feeling of helplessness and compliance. A latent fear impregnates the relationship to others because it not only proves that our own existence can be revoked, but also entangles us in permanent conflicts. The effect of archaic exclusion procedures, the vagus death caused by a voodoo spell, show in extreme terms why life dwindles once we reach a certain level of invisibility. This contestability does not have to be conscious, but it works and is noticeable in a constant readiness to make concessions of some kind or to sacrifice what we love. The interweaving of our self-definition with the recognition of others is responsible for the conflictual mimetics that causes nasty wounds, especially in personal matters. So we should learn early enough to be active in different social contexts, i.e. in several worlds.
Possible changes start with the small events. The larger the repertoire, the easier it is to make necessary changes to everyday perception patterns and behavioral habits. Distance is the magic word; paradoxically, only the right distance makes it possible to participate in the intensity of a moment, to expose oneself to the sudden proximity of another. This is where personal time and personal work begin to become valuable. Anyone who is completely absorbed in an activity, who forgets himself and merges with the routines that correspond to the materiality of an object or the laws of a situa-tion, surrenders himself to pre-individual, mimetic impulses. These routines alone are good for an infinitesimal approach to the immediacy of presence, while patient practice of pure sex comes closer to the punctuality of the now. An emphatic action and experience over-forms the reference context between the same and the current, until the subject disappears in a wave of being swept away. What was once called the soul is to be understood as the flow equilibrium of the body's own drugs, which in the best case responds like a successful musical improvisation to the harmonies that become denser and more resonant over the course of a life. In the worst case, we reproduce a droning homeostasis of misery as a cacophony. A catastrophic experience of the annihilation of the self, on the other hand, causes a fall into an infinite silence that at least occasionally carries the chance of enlightenment.
The stated rift between the actuality of presence and its representation in perception and consciousness does not have to characterize a hopeful missing out or a delusional running after it when traditional obsessions can be said goodbye to thanks to media scope beyond the Gutenberg galaxy. The training of absence in writing is being undermined by multimedia intensities of the here and now; digital systems now store the incommensurability of the individual and prevent forgetting on a fundamental level. Haptic and rhythmic patterns of experience lead back to routines of presence; subliminal perceptions, free associations, involuntary memories promote skills such as mindfulness, body awareness, presence of mind, which have thinned out the abstraction capabilities of writing and the generalizations of science. We owe our insight into the laws of life to date to working with digital storage systems. It provided rules that made it possible to reformat biographical repetition compulsions. After the distance created by going through countless additions and revisions of the stored material, a context of the biographical context becomes tangible, and a current framework for a non-conflictual orientation of gestures and language forms is created. The importance of creative self-work takes on a completely different meaning when we regularly visit the other side of the cultural picket fence for small eternities. The intensities experienced bring about a reversal of the repressed but subliminally effective cult of sacrifice. A boundary of the mourning process runs right through everyday concerns; aesthetic experience shapes the boundary in metaphors of transgression, but for the erotic practice of a couple, the joint design of the here and now becomes possible as a result of passages and rebirths.
L'exigence de confirmer sa propre existence à travers les autres repose sur le conformisme d'un être dépendant du langage. L’absence de démarcation constitue cependant une menace particulière. Parce que notre existence sociale a été confirmée par la dénomination, la révocabilité qu'elle offre garantit l'abandon et le respect. Une peur latente imprègne notre relation avec les autres car elle prouve non seulement que notre propre existence peut être éliminée, mais elle nous entraîne également dans des conflits permanents. L'effet des procédures archaïques d'exclusion, la mort vagale provoquée par un sortilège vaudou, montre à l'extrême pourquoi la vie disparaît après un certain degré d'invisibilité. Cette contestabilité ne doit pas nécessairement être consciente, mais elle a un effet et se manifeste dans une volonté constante de faire des concessions ou de sacrifier ce qui est cher. L’imbrication de notre définition de soi avec la reconnaissance des autres est responsable du mimétisme conflictuel qui provoque de vilaines blessures, notamment dans les affaires personnelles. Il faut donc apprendre suffisamment tôt à opérer dans des contextes sociaux différents, c’est-à-dire dans plusieurs mondes.
Les changements possibles commencent par de petits événements. Plus le répertoire est vaste, plus il est facile d’apporter les changements nécessaires aux schémas de perception et aux habitudes comportementales quotidiennes. La distance est le mot magique ; Paradoxalement, seule la bonne distance permet de participer aux intensités d'un instant et de s'exposer à la proximité soudaine de l'autre. C’est là que votre temps et votre travail commencent à devenir précieux. Celui qui est complètement absorbé par une activité, se confondant par oubli avec les routines qui correspondent à la matérialité d'un objet ou aux lois d'une situation, s'abandonne à des impulsions pré-individuelles et mimétiques. Ces routines se prêtent à elles seules à une approche infinitésimale de l’immédiateté de la présence, tandis que la pratique patiente du sexe pur se rapproche de la ponctualité du présent. Une action et une expérience emphatiques transforment le lien de référence entre égal et juste, jusqu'à ce que le sujet disparaisse dans une vague d'emportement. Ce qu'on appelait autrefois l'âme doit être compris comme l'équilibre fluide des propres drogues du corps, qui, dans le meilleur des cas, répond comme une improvisation musicale réussie aux harmonies qui deviennent plus denses et plus sonores au cours d'une vie. Dans les mauvais cas, nous reproduisons une cacophonie d’une homéostasie tonitruante de misère. En revanche, une expérience catastrophique de l’anéantissement de l’ego provoque une plongée dans un silence infini, qui offre au moins occasionnellement la chance de l’illumination.
Le fossé établi entre l’actualité de la présence et sa représentation dans la perception et la conscience ne doit pas nécessairement être caractérisé par un manque d’espoir ou une poursuite délirante si les obsessions traditionnelles peuvent être dites adieu au-delà de la galaxie Gutenberg grâce à l’ampleur médiatique. L’absence de dressage de l’écriture est minée par les intensités multimédias du présent et de l’ici ; les systèmes numériques stockent désormais l’incommensurabilité de l’individu et empêchent l’oubli à un niveau fondamental. Les modèles d'expérience haptiques et rythmiques renvoient à des routines de présence ; Les perceptions subliminales, les associations libres, les mémoires involontaires favorisent des capacités telles que la pleine conscience, la conscience du corps, la présence d'esprit, qui ont affaibli les acquis d'abstraction de l'écriture et les généralisations des sciences. Notre travail avec les systèmes de stockage numérique nous doit la compréhension des lois de nos vies antérieures. Il fournissait des règles permettant de reformater les contraintes de répétition biographique. Après le parcours parcouru par d'innombrables ajouts et révisions au matériel stocké, un contexte biographique devient tangible et un cadre actuel émerge pour une orientation non conflictuelle des gestes et des formes de langage. L’importance du travail créatif prend un tout autre poids lorsque l’on passe régulièrement de l’autre côté de la barrière culturelle pendant de petites éternités. Les intensités ressenties provoquent un renversement du culte de la victime réprimé mais efficace sur le plan subliminal. Une des limites du travail de deuil traverse les préoccupations quotidiennes ; L'expérience esthétique façonne la frontière dans les métaphores de la transgression, mais pour la pratique érotique du couple, la formation conjointe de l'ici et maintenant devient possible grâce aux passages et aux renaissances.
Kontakt: gm@gpunkt-musik.de